Halswirbelsäule

Ein Ziel unseres Schmerzzentrums ist es, die Patienten möglichst nicht mit der Diagnose „unspezifische Rückenschmerzen“ zu entlassen, sondern wirklich den Schmerzgenerator, also die Schmerzursache in Muskulatur, Sehnen, Gelenken oder eingeengten Nerven zu suchen und gezielt zu behandeln.

Ein gutes Beispiel ist das so genannte Schulter-Arm-Syndrom, dass sie vielleicht auch schon auf Überweisungen gelesen haben. Wie der Name schon sagt, ist auch hier der diagnostizierende Arzt sich nicht sicher, ob die Schmerzen eher von Schultergelenk ausstrahlen oder von der Halswirbelsäule ausgehende Armschmerzen sind. Durch gezielte Untersuchung kann man dies schon bereits auseinanderhalten, dass man die Halswirbelsäule als Ursache erkennt, kann hier noch eine weitere Diagnostik erfolgen.

Mobbing macht Nackenschmerz

Oftmals findet man bei genauer Untersuchung auch durch das Röntgen keine Verschleißveränderungen der Halswirbelsäule und keine Bedrängung der Nerven, die in die Arme ziehen. Hier sind häufig muskulären Verspannungen Grund für die Nacken- und Kopfschmerzen. Neuere Studien beschreiben, dass der häufigste Grund für Nackenschmerzen bei der arbeitenden Bevölkerung das Mobbing am Arbeitsplatz ist. Ich möchte hier noch nicht weiter auf die Bedeutung der Psyche auf die Schmerzen eingehen, jedoch kennt jeder das Phänomen, dass man den „Kopf einzieht“, wenn eine bedrohliche Lage eintritt.

Wie sie bereits von der Anatomie her wissen, können wir den Kopf durch die knöcherne Form der Halswirbelsäule gar nicht einziehen, sondern es macht nur den Eindruck, da die Schultern hochziehen. Leiden wir lange Zeit unter einer „Bedrohung“ (das kann auch der Chef sein), dann versuchen wir permanent den Kopf einzuziehen bzw. die Schultern zum Schutz der Halswirbelsäule nach oben zu ziehen. Dies kann dann zu einer chronischen Verspannungen der Muskulatur führen und damit zu Nacken- und Kopfschmerzen.

Hier kann man die verfestigte Nackenmuskulatur dann durch betasten mit den Fingern feststellen und versuchen zu lösen. Solange man jedoch dies nicht behandelt oder am nächsten Tag wieder "den Kopf einziehen“ muss, wird langfristig dies nicht behandelbar sein. Dies ist der Grund, warum häufig von Ihrem Arzt eine Entspannungstherapie empfohlen wird.

Das Facettensyndrom der Halswirbelsäule

Jahrelang unberücksichtigt blieb, dass kleinste Veränderungen an den so genannten Facettengelenken, im kleinen Zwischenwirbelgelenk, zu erheblichen Veränderungen und Schmerzzuständen im Nacken und Hinterhaupt bis in die Schulter ziehend führen können.

In nebenstehender Abbildung sehen Sie eine typische Verteilungsform von Schmerzen, die durch eine Reizung der verschiedenen Facettengelenke verursacht werden können.

Reizungen der Nervenwurzel an der Halswirbelsäule

Insgesamt sind Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule seltener als an der Lendenwirbelsäule, das Prinzip der anatomischen Gegebenheiten ist gleich wie an der Lendenwirbelsäule, jedoch sind natürlich die Wirbel kleiner und entsprechend auch die Nervenaustrittslöcher enger.

Ursache der Einengung am Nervenkanal kann entweder ein Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke mit Bedrängung des Nervens oder eine Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall sein. Typischerweise verspürt der Patient einen ausgeprägten Schmerz im Nacken oder an der oberer Brustwirbelsäule, kann nachts kaum schlafen und schon bei geringen Drehbewegungen der Halswirbelsäule kann ein Schmerz in den Arm einschießen. Begleitend bestehen oft Missempfindung und Taubheit an den Fingern sowie manchmal auch eine Schwäche im Arm

Hier ist es wichtig zu entscheiden, wann operiert werden muss und wann nicht. Die allermeisten Bandscheibenvorfälle haben einen normalen Verlauf, im Vordergrund soll eine suffiziente und sofortige Schmerztherapie stehen, damit auch die Entzündung wieder abklingt. Dieses ist in erster Linie durch Medikamente am Anfang zu leisten.

Kommt es zu längeren Lähmungen oder anhaltenden Schmerzzuständen, kann relativ früh die Operation indiziert sein. Der Nerv ist zunächst einmal durch einen Druck “geärgert“, d.h. er versucht anzuschwellen und wegen der Enge im Nervenkanal kann er dies nicht. Hier soll zunächst versucht werden, den Nerv abschwellen zu lassen, was auch mit lokalen Injektionen durch ein Gemisch aus Lokalanästhetikum und einem Kortison versucht werden kann.

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